Ausprobiert: Bahnrad fahren!

Am Sonntag bin ich zum ersten mal in meinem Leben auf einer Radrennbahn gefahren. Um es kurz zu machen: ich bin begeistert!
Die Radrennbahn Augsburg ist (ganz innen gemessen) 200 Meter lang.
Die Steilkurven haben einen Winkel von 45° und sind geschätzt knapp 4 Meter hoch.
Durchschnittsfahrer wie ich werden nicht wesentlich über 40 Km/h kommen, in Sprintrennen ist man jedoch mit bis zu 70/80 Sachen unterwegs.
Soweit die technischen Daten.

Das verheisst schon auf dem Papier eine gewisse Dynamik. In der Praxis aber, wenn 10 Mann Rad an Rad, Schulter an Schulter durch eine 4 Meter hohe Kurve schiessen, ist das Erlebnis wirklich beeindruckend.
Es ist nicht das selbe, aber wer schon mal mit vielen Leuten einen schnellen, hoch gebauten Four Cross um die Wette gefahren ist, kann sich eine Vorstellung von der Intensität dieses Sports machen.
Klar gibt es keine Sprünge. Dafür fährt man aber auf der Bahn mit mehr Leuten, die Kurven sind steiler und länger, und man fährt viel enger aneinander.

Eigentlich dachte ich im Vorfeld, wenn man Downhill gefahren ist und auch mal in einer Miniramp war, kann einen auf einer Radrennbahn nichts überraschen. Das war falsch.
Als wir ankamen, waren schon mindestens 20 Fahrer auf der Strecke. Da muss man sich dann erst mal einsortieren. Im Training ist es so, dass man eigentlich immer auf der selben Höhe der Bahn bleiben sollte, damit es möglichst zu keinen Gefahrensituationen kommt.
Die Schnelleren fahren weiter oben, die Langsameren weiter unten / innen.
Auf meinen ersten Runden hatte ich allerdings erst mal überhaupt keinen Plan, wo ich mich einordnen sollte.
Ergebnis war, dass ich vor der Kurve auf eine Gruppe zugefahren bin. Ohne Bremsen und mit Starrnabe (kein Freilauf) kann man aber nicht eben mal schnell abbremsen und anhalten.
Ich musste also aussen vorbei. Und habe gemerkt, dass ich eigentlich viel zu langsam bin, um so weit oben in der Kurve zu fahren.
Da hatte ich dann wirklich Angst, dass ich wegrutsche und „runterfalle“. Aber es ging gut, Rennradreifen auf Holz hält einiges.
Es gab dann noch einige weitere nicht ganz risikolose Situationen, und ich habe nach ein par Runden erst mal Pause gemacht, um mich zu sammeln.

Nach einer Weile hat es dann aber eigentlich jeder raus.
Man steigert sich immer mehr rein, weil man sich auf jede Kurve freut.
Das ist ein enormer Trainingsanreiz.
Als dann gegen Ende ausser mir nur noch zwei Fahrer auf der Strecke waren, bin ich dann auch noch ein wenig „kreuz und quer“ gefahren.
Um eine Kurve ganz oben durchzufahren, fehlt mir definitiv die Kraft.
Aber auf der Geraden voll zu beschleunigen, die Kurve ganz oben anzufahren und dann ganz nach unten durchzudrücken, macht richtig Laune :)

Ich habe ein wenig im Netz rumgesucht und in Deutschland (leider nur) drei Bahnen gefunden, die auch für die Öffentlichkeit nutzbar sind.
In Augsburg und Öschelbronn können Bahnräder gemietet werden. Die Benutzung mit anderen Rädern ist untersagt. In Göttingen kann man auch mit normalen Rennrädern fahren.
Einen Besuch auf einer Radrennbahn kann ich wirklich jedem Radsportler empfehlen! Nicht nur CC/Marathon-Fahrer, sondern gerade auch 4X und Downhillfahrer werden ihren Spass haben und auch einen ordentlichen Trainingseffekt mitnehmen!

Links:
Radrennbahn Augsburg: http://www.rsg-augsburg.de/
Radrennbahn Öschelbronn: http://www.rsvo.de/
Radrennbahn Göttingen http://www.tuspoweende-radsport.de/
Mehr Infos und Verzeichnis der Radrennbahnen in Deutschland: radrennbahn.net

9 Gedanken zu „Ausprobiert: Bahnrad fahren!“
  1. Das kann ich mir wirklich gut als interessante Erfahrung vorstellen. Hier in der Gegend gibts leider keine Möglichkeiten.
    Und klasse Bilder hast Du da gemacht. :-)

  2. Meeegagut wars! Vor allem der Eindruck, wenn man einen Fahrer in der Kurve überholt und nen halben Meter über ihm an der Bahn klebt – da hilft nur geradeaus weitertrebbeln.

  3. Boha, das ist ja mal nen klasse Bericht und so was habe ich noch nie gemacht. Ist ja der Burner, ich will auch. Das ist etwas, was auf jeden Fall mal auf meine ToDo liste kommt. Ich schau mir das ja auch immer gern im Fernsehen an aber selbst mal fahren, das muss ja ein Erlebnis schlecht hin sein.

  4. Wahh
    da fotografiert mich (wahrscheinlich) mal jemand auf der Bahn und dann sind die Bilder so verschwommen dass man sich selbst nicht erkennt ;)

  5. Auf so eine Idee wäre ich im Leben nicht gekommen!
    War aber ein interessanter Bericht. Wieviele Runde fährt denn ein Laie bis er platt ist?

  6. @Alle: Danke!
    @Jack: Ich bin auch nicht selber auf die Idee gekommen ;)
    War dann aber froh, dass ich mich entschieden hatte, mitzukommen.
    Wenn man mag, kann man schon auch Grundlagenausdauer trainieren. Dann bleibt man allerdings (bei moderatem Trainingsstand) eher ganz unten auf der Bahn.
    Mir hatten es die Kurven allerdings so angetan, dass ich jeweils maximal(!) nach einer Viertelstunde eine kleine Pause gebraucht habe.

  7. Da kann ich mich dir anschliessen. Sowas ist wirklich zu empfehlen und ein echtes Erlebnis. Ich war vor gut einem Jahr auf der wunderschönen Radrennbahn in Aigle (Schweiz, nahe Genfersee).
    Das Gefühl in der Kurve so richtig in die Wand gedrück zu werden ist einmalig. Ich hatte aber schon respekt beim erstmaligen oben durchfahren der Kurve. Die Wand ist einfach mega steil, sowieso von oben.
    Und am meisten Angst hatte ich, weil die Räder keinen Leerlauf haben. Da kannst du dir nicht leisten eine Sekunde auszusetzen ;)

  8. Als ich noch Leistungssportler war und das ist schon ein paar Jahre her,bin ich in Berlin-Weißensee aus trainingtechnischen Gründen mal auf einer Bahn Gefahren.Allerdings war diese aus Beton.Ich kann aber annähernd nachempfinden was du gefühlt hast! Der absolute Kick!

  9. Kann ich nur bestaetigen, der Trainingseffekt ist durch den starren Freilauf enorm.
    Fuer Leute aus dem Grossraum Stuttgart:
    auf der Radrennbahn in Oeschelbronn ist jeden Dienstag ab 18:00 freies Training.
    Der RSV freut sich auf euch!

Kommentare sind geschlossen.