Akku-Rückruf: Stellungnahmen von Magicshine und DealExtreme

Update vom 17.01.2010:
Mit den Eastward YJ Leuchten bietet DealExtreme nun eine Magicshine-Alternative an.

Update vom 01.12.2010:
GeoManGear schiebt Infos bezüglich der Magicshine-Sicherheitswarnung nach:

Insgesamt sind GeoManGear drei Fälle bekannt, in denen Magicshine-Akkus aufgrund von Überhitzung Feuer verursacht haben. In allen drei Fällen handelt es sich um das ältere Akku-Modell (in Schrumpfschlauch eingeschweisste 18650-Zellen in einer Nylontsasche). Der neuere Akku mit festem Gehäuse war nicht betroffen. Der Magicshine Rückruf von GeoManGear bezieht sich jedoch auch auf das neue Modell.
Betroffen sind die Frontleuchten MJ-808 und MJ-816, sowie die Rückleuchte MJ-818, welche jedoch relativ wenige Käufer gefunden hat.

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Neuigkeiten bezüglich des Magicshine-Rückrufs von GeoManGear:

1. Stellungnahme von Magicshine
2. Stellungnahme von DealExtreme
3. Zwischenfälle mit Magicshine-Akkus und Ladegeräten
4. Wie geht es weiter?

1. Stellungnahme von Magicshine

Der Hersteller der Magicshine-Bikeleuchten, die Shenzhen Minjun Electronic Co.,Ltd war so freundlich, mir einige Infos zur Situation zukommen zu lassen.
Laut deren Darstellung geht es um die in den Akkupacks verwendeten 18650-Zellen.

Diese sind keine renomierten Markenprodukte.
Laut Shenzen Minjun Electronic wurde jedoch von einem unabhängigen Unternehmen die Einhaltung der für die CE-Kennzeichnung notwendigen Sicherheitsrichtlinien überprüft und bestätigt. Die CE-Kennzeichnung erfordert keinerlei Überprüfung durch unabhängige Institutionen sondern ist eine reine Konformitätserklärung des jeweiligen Herstellers.

Wesentlich relevanter ist daher die vorgenommene Überprüfung durch die Underwriters Laboratories, eine unabhängige US-Organisation, die in etwa mit dem deutschen TÜV vergleichbar ist. Die von Magicshine verwendeten 18650-Zellen wurden gemäss der Richtlinie UL 1642 für Lithium-Akkus getestet.
Bestanden wurden folgende Tests:
– Kurzschlusstest bei Raumtemperatur und bei 55 Grad Celsius
– Test für anormales Laden
– Zerquetsch-, Stoss-, Vibrations-, Hitze-, und Aufpralltest.
– Wechseltemperaturtest
– Test bei niedrigem Luftdruck zur Simulation von grossen Höhen.
Diese Anforderungen dieser Tests habe ich mir nicht alle näher angesehen. Sie sind laut Underwriters Laboratories für alle Lithium-Akkus vorgesehen und wurden auch alle bestanden.
Ein möglicher Test wurde jedoch nicht durchgeführt. Deswegen habe ich mir für genau diesen Test die Anforderungen etwas genauer angesehen. Der „Projectile Test“ ist nur obligatorisch für Akkus, die vom Endnutzer ausgewechselt werden sollen und können, also nicht dauerhaft fest in einem Gehäuse eingeschlossen sind.
Der Akku wird dabei so lange mit einem Bunsenbrenner erhitzt, bis er explodiert oder anderweitig zerstört ist. Rings um den Akku ist ein Geflecht aus sehr dünnem Draht aufgespannt.
Kein Teil des explodierenden Akkus darf das Drahtgeflecht durchdringen, wenn der Test als bestanden gelten soll.

When subjected to the test described […] no part of an exploding cell or battery shall
penetrate the wire screen such that some or all of the cell or battery protrudes through the screen.
[…]
Each test sample cell or battery is to be placed on a platform table having a 4-inch (102-mm)
diameter hole in the center covered by a screen. The screen is to be of steel wire mesh having 20
openings per inch (25.4 mm) and a wire diameter of 0.017 inch (0.43 mm). An eight-sided covered wire
cage, 2 feet (610 mm) across and 1 foot (305 mm) high, made from metal screening is to be placed over
the test sample. See Figure 19.3. The metal screening is to be constructed from 0.010-inch (0.25-mm)
diameter metal wire with 16 – 18 wires per inch in each direction. The sample is to be placed on the
screen covering the hole in the center of the table and is to be heated, until it explodes, or until it is
destroyed.

Da der Test nicht durchgeführt wurde, steht im Gutachten von Underwriters Laboratories folgender Absatz:

Model 18650 has not been evaluated to comply with the requirements of
Projectile Test. These cells shall be provided with a mechanical and
fire enclosure in the end use application and special precautions
should be taken when handling these cells during installation and
disposal the cells in fire.

Das heisst, der Akku soll in einem Feuer und mechanische Einflüsse abschirmenden Gehäuse untergebracht werden.
Und hier sehe ich den Punkt, der für den GeoManGear-Rückrufentscheidend gewesen sein könnte (Geoman selbst macht immer noch keine konkreten Aussagen zum Grund).
Die Akkupacks der allermeisten Magicshine-Lampen sind nämlich nur von einem Schrumpfschlauch und einem Täschchen aus Nylongewebe verhüllt. Ob die Anforderungen laut UL 1642 gegeben sind, könnte also strittig sein.

Die Firma Shenzhen Minjun Electronic wurde von GeoManGear aufgefordert, LG oder Samsung Akkus für die Magicshine-Bikeleuchten zu verwenden. Momentan laufen Gespräche zwischen Magicshine und GeomanGear zur Klärung des weiteren Vorgehens. Magicshine schreibt mir jedoch, die Akkupacks seien absolut unproblematisch und könnten ohne Sorge verwendet werden.
GeoManGear hätte keinerlei Beweis für eventuell gegebene Risiken.

Sämtliche Gutachten und die UL-Richtlinie liegen mir vor. Aus urheberrechtlichen Günden möchte ich sie hier nicht zum Download anbieten. Wer sie zugemailt haben möchte, muss aber nur unten einen entsprechenden Kommentar schreiben oder mir eine Email schicken.


2. Stellungname von DealExtreme

DealExtreme ist der vermutlich grösste Absatzkanal für Magicshine-Leuchten. Nachdem ich ein zweites mal nachgehakt hatte, gab man mir auch kurz und genervt Auskunft:

we won’t start a recall temporarily ,we will take it into consideration in future, thanks .

Momentan ist also kein Rückruf geplant, es wird jedoch nicht ausgeschlossen, dass das noch passieren wird.
Vermutlich wartet man in Hong Kong erst mal die Stellungnahme der mit GeoManGear in Kontakt stehenden U.S. Consumer Products Safety Commission ab.


3. Zwischenfälle mit Magicshine-Akkus und Ladegeräten

– Auf bikeradar.com wird über einen in Brand geratenen Magicshine Akku berichtet. Drei Stunden nach dem ursprünglichen Post ergänzt der User, dass ihm der Akku eine Weile vor dem Brand runtergefallen sei.
– Auch im MTBR Forum wird von einem in Flammen aufgegangenen Akkupack berichtet. (Post Nr. 39) Der Akku soll weder am Ladegerät noch an der Lampe eingesteckt gewesen sein.
– Auf singletrackworld.com sind Bilder von einem in Brand geratenen Magicshine-Ladegerät zu sehen.

4. Wie geht es weiter?

Explodierende oder in Brand geratende Lithium-Akkus sind leider nichts neues. Einige Besitzer von Notebooks oder tragbaren Musikgeräten mussten das schon erfahren.
Lithium-Akkus sind empfindlich gegenüber mechanischen Beanspruchung. Ein Sturz kann im Einzelfall schon zu Beschädigung, internem Kurzschluss und Brand führen.
Ein Outdoor-Artikel wie eine Mountainbike-Leuchte ist durchaus öfters mal mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt.

Ich kann niemandem dazu raten, die Angelegenheit auf die allzu leichte Schulter zu nehmen.

Was ich selber tun werde:
Ich werde die Leuchte weiter nutzen. Der Akku wird ohnehin nur im Bad aufgeladen und auch nur, wenn ich in der Nähe bin. Der Akku wird in einem feuerfesten Gefäß gelagert.
Ich werde die Situation jedoch weiter verfolgen und bin gespannt, was DealExtreme und die mit der Sache beschäftigte U.S. Consumer Products Safety Commission zu der Angelegenheit sagen werden.
Auf jeden Fall werde ich hier über den weiteren Verlauf berichten.

Wer informiert bleiben möchte, folgt dirty-pages.de am besten auf Twitter, abonniert den Feed oder klickt auf der Facebook-Seite auf das Däumchen ;)

Über Kommentare und Fragen aller Art freue ich mich natürlich sehr!
Falls Ihr Fragen an den Magicshie-Hersteller habt, kann ich sie gerne an meine Kontaktperson weiterleiten.

3 Gedanken zu „Akku-Rückruf: Stellungnahmen von Magicshine und DealExtreme“
  1. Mit seiner Erlaubnis zitiere ich hier mal die Mail, die mir Papinsky geschrieben hat.
    Die Angelegenheit zieht ihre Kreise:

    erstmal danke für die Zusendung.

    Wir haben vor ein paar Wochen vier Lampen von magicshine.eu bekommen.
    Daher sind wir ein wenig beunruhigt.

    Dem Test des UL nach scheint es, das der Explosionstest aufgrund der
    Bauform nicht durchgeführt wurde, und daher nicht bestanden ist.
    Soweit so gut, wenn man die Akkus in Nylonsäcke packt ist das wohl auch
    so. Das erlaubt die Frage ob so etwas generell zulässig ist. Aktuell
    sind die Akkus in Aluboxen mit Plastikdeckeln verschraubt.In einem
    Deckel ist sogar eine Anzeige zum Ladezustand verbaut. Das ganze macht
    einen sehr stabilen Eindruck.
    Mein Lieferant (nicht DX, sondern Importeur magicshine.eu) schrieb mir
    auf die Problematik hin:

    ********************************
    danke für Ihre Email. Genau diese Probleme waren der Grund für die
    Lieferschwierigkeiten letzten Monat. Unsere Lampen wurden erst
    freigegeben, als die Probleme lt. Auskunft unseres Lieferanten gelöst waren.
    Ich habe bis jetzt auch keine einzige Rückmeldung eines meiner Kunden
    mit so einem Problem.
    ********************************

    Alle vier Akkus laden und entladen „normal“, d.h. es entsteht keine
    nennenswerte Wäremeentwicklung und die Akkulaufzeit ist sehr gut.

    Als Ladegeräte wurden LI-ION Charger mit Eurostecker Euronorm EN 50075
    geliefert. Das Ladegerät entwickelt ebenfalls keine nennenswerte
    Temperatur beim Ladevorgang. Das Ladegerät selbst hat zwei LED zum
    Ladezustand. Rot=Laden, Grün=Erhaltungsladung, bzw. Betriebsbereit.

    Ein Teamkollege hat Lampen mit Nylonsack vor mehr als einem Jahr in USA
    erworben. Wir haben daher ein wenig vergleich. Diese Akkus werden auch
    nicht warm, weder beim Laden noch beim Entladen. Darüber hinaus ist die
    Akkulaufzeit ebenso sehr gut.

    Ich denke das Hauptrisiko liegt bei mechanischer Überanspruchung des
    Akkus. Nach einem Sturz können Zellen beschädigt sein. Ebenso scheint
    eine hohe Entladung riskant. D.h. ist die Lampe fehlerhaft
    (eingetretenes Wasser kann Kurzschluß verursachen) oder ein Kabel defekt
    kann darüber ein deutlich höherer Strom als geplant fliessen.
    Ich habe nochmal eine Anfrage an den Importeur gestellt. Ich möchte
    jetzt noch wissen ob im Akku eine Sicherung eingebaut ist.

    Meiner Meinung nach gehört ein Akku mit so hoher Kapazität ohnehin
    niemals in eine Trikottasche. Eher sollte man diesen immer am Rahmen,
    idealerweise in einer alten Getränkeflasche im Flaschenhalter
    transportieren.
    Wer mal ausgelaufene Alkali oder Zink-Kohle Zellen im Trikot hatte, der
    weiß wovon ich spreche. Echt ätzend!
    Ebenso kann ein defektes bzw. zeitgesteuertes Ladegerät einen NiCd oder
    NiMh Akku zum Platzen bringen.
    Ich möchte damit nur sagen, das wir uns an Technolgien zur
    Energiespeicherung bedienen, die irgendwo immer gefahren bieten.
    Vielleicht sollten die Hersteller darauf noch mehr Aufmerksam machen.

    Stellt sich mir abschliessend noch die Frage, wie lange man noch LI-ION
    oder LI-Polymer Akkus in Flugzeugen mitführen darf ;-)

    // Papinsky

  2. Vielen Dank für diesen interessanten Bericht zu der aktuellen Situation! Ich habe auch eine DX 808 Lampe. Akku und Ladegerät beware ich nun in einer alten Keksdose auf. Probleme mit Überhitzung konnte ich bisher nicht feststellen.

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